Was ist Suffizienz?

Kurzdefinition

Unter Suffizienz versteht man die bewusste Reduktion unseres Bedarfs an Ressourcen – insbesondere nicht erneuerbarer natürlicher Ressourcen. Das Konzept basiert auf einem Verständnis von Wohlstand und Lebensqualität, das andere Werte als Konsum in den Vordergrund rückt. Letztlich zielt Suffizienz darauf, die Ressourcennutzung so zu gestalten, dass auch zukünftige Generationen ihre legitimen Bedürfnisse decken können, indem wir bei unserem Verbrauch masshalten.

Hintergrund

Heute (2019) erzeugen jeder Schweizer und jede Schweizerin pro Jahr ca. zehn Tonnen CO2. Dieser Wert müsste bis zur Jahrhundertmitte auf 1-2 Tonnen sinken, wenn die globale Erwärmung bis 2050 nicht mehr als zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau liegen soll.

In der Nachhaltigkeitsdiskussion haben sich in den letzten Jahren drei Strategien durchgesetzt, mit denen dieses Ziel erreicht werden soll:

  1. Nach der Effizienzstrategie sollen weniger Energie und Ressourcen eingesetzt werden. Das Ziel ist, dass technische Vorgänge Ressourcen wirkungsvoller und sparsamer nutzen. Autos sollen also weniger Benzin verbrauchen, Kühlschränke weniger Strom, Häuser weniger Energie etc.

  2. Die Konsistenzstrategie nimmt sich die Natur als Vorbild. Sie zielt auf die Entwicklung von Produkten, die nach ihrem Verbrauch als biologischer oder technologischer Rohstoff widerverwerten werden können. So entstehen keine Abfälle, die nicht vollständig rezyklierbar sind. Es geht also um eine Integration der Materialien und Energien in den natürlichen Kreislauf.

    Leider sind bisher jene Kräfte, welche die Umweltkrise antreiben, stärker als die Effizienz- und Konsistenzbemühungen. Die beiden technischen Strategien führen nicht gleichzeitig zu einer Mengenbegrenzung und damit zu einer Entlastung der Ökosysteme. Als nötig erachtet wird deshalb die

  3. Suffizienzstrategie. Hier geht es darum, dass Menschen «ihr Verhalten ohne Zwang ändern und Praktiken, die Ressourcen übermässig verbrauchen, einschränken oder ersetzen». Ziel ist ein «genügsamer, umweltverträglicher Verbrauch von Energie und Materie durch eine geringere Nachfrage ressourcenintensiver Güter und Dienstleistungen» (Stengel 2011, S. 140). In Bezug auf Mobilität kann dies bedeuten:

    • Flugreisen und Autofahrten möglichst zu vermeiden oder zu vermindern,
    • Bevorzugung öffentlicher Verkehrsmittel, vor allem im Stadtverkehr,
    • Wahl eines Wohnortes, von dem aus man Arbeitsplatz und Einkaufsmöglichkeiten möglichst ohne Auto erreichen kann.

Letztlich bezeichnet Suffizienz einen Konsumstil, der sichern soll, dass die heute Lebenden ihre Bedürfnisse sichern können, ohne die Bedürfnisse künftiger Generationen zu gefährden.

Quelle: Europa-Universität Flensburg, Norbert Elias Center

Sprachliches

Suffizienz stammt von lat. Verb sufficere = genügen, ausreichen, genug haben ab.

Sinnverwandte Nomen sind heute

Sinnverwandte Verben sind

Literaturverzeichnis

Paech, Niko (2013). Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie. München. oekom.

Schneidewind, Uwe und Angelika Zahrnt (2013). Damit gutes Leben einfacher wird. Perspektiven einer Suffizienzpolitik. München: oekom.

Stengel, Oliver (2011). Suffizienz. Die Konsumgesellschaft in der ökologischen Krise. München: oekom.

Vogel, Thomas (2018). Mässigung. Was wir von einer alten Tugend lernen können. München: oekom.